Asylwerber – die Altersfrage

in Allgemein/Asylheim by

Warum haben eigentlich die meisten Asylwerber am 1. Jänner Geburtstag? Wer in Österreich interessiert sich für ihre Identität oder ihr Alter? Fragen, die sich jeden Tag stellen, welche aber nicht einmal innerhalb des lukrativen Verdienstmodells „Asylbetreuung“ zufriedenstellend beantwortet werden.


Ich war in den Jahren 2015 und 2016 mit der Leitung von zwei Asylheimen in Oberösterreich betraut. Darüber hinaus bin ich mit einer wöchentlichen Reichweite zwischen 100.000 und 500.000 auf Facebook eine der lästigsten Stimmen gegen den von der politischen Linken verordneten Meinungsmainstream. Ab dem 25. Januar 2017 publizierte ich in einzelnen Berichten meine Erlebnisse in diesen Asylheimen. Ich werde diese Berichte in den kommenden Wochen überarbeitet auch hier auf meinem neuen Blog „fmpolitics“ für interessierte Leser zur Verfügung stellen.

Die „Gäste“ werden in Oberösterreich von der „Grundversorgungsstelle“ beim Land Oberösterreich zugewiesen. Diese kennen die einzelnen Fälle natürlich nicht, sondern operieren auf Basis der Einträge eines zentralen Informationssystems. Die Anreisen in das neue Heim waren dabei sehr unterschiedlich organisiert. Von Taxi über Taxi mit Anhänger über Taxi-Kleinbus über großen Reisebus (mit zwei Fahrgästen) war alles dabei. Wenn die Anreise eine Erstanreise in ein zugewiesenes Quartier ist, werden die Reisekosten zum Normaltarif von einer öffentlichen Stelle voll beglichen (Auskunft eines Taxifahrers). Wird hingegen eine Verlegung auf Wunsch eines Asylwerbers gewährt, sind Reisen aller Art von diesen selbst zu bezahlen.

Sperrt ein Asylheim neu auf, sind die meisten Anreisen von den Sammelquartieren des Innenministeriums, welche naturgemäß auch Hotspots der meisten Unruhen, Ausschreitungen und Verbrechen sind. Friedliebende und nicht kriminelle Asylwerber sind also dementsprechend sehr froh, von dort wegzukommen.

Zu den Herausforderungen eines Heimbetreibers zählt, dass Ankunftszeiten der Gäste nicht bekannt sind – bestenfalls Ankunftstage. Angekündigte Asylwerber können auch mitten in der Nacht vor dem Heim stehen – oder zu jedem beliebigen Zeitpunkt des Tages. Wie der Heimbetreiber dies personell bewältigt oder welche Schwierigkeiten einer in späten Nachtstunden durch einen fremden Ort eines fremden Landes irrenden Familie entstehen können, ist der staatlichen Verteilungsstelle eher egal. (Man könnte hier noch anmerken, dass die auch ansonsten sehr korrekten Beamten selbstverständlich sowohl ihre Dienstzeiten als auch ihre Feierabende sehr pünktlich wahrgenommen haben.)

„Geburtstage sind nach Erreichen des Mannesalters in Afghanistan nicht mehr so wichtig …“

Die Dokumente der Anreisenden bestehen in der Regel aus Papieren, die beim Grenzübertritt ausgehändigt wurden sowie der so genannten „Whitecard“ – das ist ein Plastik-Ausweisdokument mit Foto und weitgehend fiktiven Daten. Ein Asylwerber erhält ungeprüft die Daten auf sein Whitecard-Dokument eingetragen, welche er bei der ersten Behandlung durch die Polizei angibt. In der Regel ist das Geburtsdatum bei Afghanen der 1. Jänner. Dies soll – so erklärte mir ein Afghane – daran liegen, dass Geburtstage nur bis zum Erreichen des Mannesalters gefeiert werden. Dann wäre dies in ihrem Leben nicht mehr so wesentlich wichtig. Ob diese Information tatsächlich zutrifft oder ob der Wille oder gar die kognitiven Fähigkeiten fehlen, den in afghanischer Weise festgeschriebenen Termin in unser Kalender- und Zahlensystem zu überführen, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Ebenso verhält es sich mit den Namen der Immigranten. Diese können frei erfunden sein. Zudem gibt es unendlich viele Schreibweisen für ein und denselben Namen – der Beamte trägt in westlichen Buchstaben nämlich einfach das ein, was er versteht. Somit können auch Angehörige derselben Familie mit völlig verschieden geschriebenen Namen bekannt sein.

Das Geburtsdatum ist für diese Glücksreisenden aus arabischen Ländern in vielerlei Hinsicht wichtig. Zum einen möchte man, wenn man vor hat, seinen Lebensunterhalt mit Straftaten zu bestreiten, vielleicht lieber als junger Mensch erscheinen. Das Jugendstrafrecht ist bedeutend milder als die Anwendung geltender Gesetze auf Erwachsene, so sie denn hin und wieder nach Gutdünken auch Anwendung finden. Ebenso erhalten Eltern etwas mehr Geld, wenn sie Kleinkinder geltend machen – bis zum vollendeten dritten Lebensjahr wird hier monatlich ein „Windelgeld“ in der Höhe von 20 Euro ausbezahlt. Umgekehrt könnte es später wohl wichtiger sein, das Alter deutlich nach oben hin zu korrigieren, um in den Genuss von Pensionsprivilegien zu kommen. Auch solche Fälle sind bekannt.

Für eine Richtigstellung interessiert sich in der Praxis niemand.

Bei meinen Anreisenden im zweiten Heim war es in zwei Fällen so, dass ein älterer Herr um locker 10 Jahre zu jung erschien. Eine Dame in mittlerem Alter wollte ihren Angaben nach erst knapp das Erwachsenenalter erreicht haben. In beiden Fällen bemühte ich meinen Dolmetscher. Der ältere Herr, ein einfacher aber herzlicher und freundlicher Mann mit einer Beinprothese, gab an, dass sein Geburtsdatum falsch aufgenommen worden war. Er hätte gerne das richtige Datum eingetragen, welches tatsächlich 10 Jahre älter ist. Wie ich später von Behörden, Landesregierung und Caritas erfahren sollte, war das aber praktisch nicht möglich. Der frühste Termin, wo so eine Korrektur stattfinden könnte, wäre eine Anerkennung des Asylrechtes und die Ausstellung entsprechender Papiere. Wobei mir auch dabei niemand ein Procedere nennen konnte. Frech von mir vermutet kann der Asylwerber dann einfach ein anderes Datum nennen, es würde ohnehin niemand überprüfen.

Die Dame hingegen war eine der seltenen Mohammedanerinnen, die ohne männlichen Begleitung reisten, welche ihre Besitzansprüche auf sie ausdehnten. Sie befand sich in Gesellschaft eines angeblichen Verwandten, nämlich ihres mutmaßlich 15jährigen Neffen. Vom Aussehen her war sie zwischen 30 und 40 einzuordnen, am Papier war sie 21. Der Dolmetscher hatte sichtlich viel Spaß bei der Klärung der Altersfrage und berichtete lachend, dass sie sich für 21 Jahre hält. Was sie natürlich nicht ist, wie er ergänzte. Mit dem Neffen sollten wir später noch viel Spaß haben und auch lernen, wie österreichische Behörden und NGOs tatsächlich mit minderjährigen Flüchtlingen umgehen.

Wir können also nochmals festhalten, dass alle Altersangaben von Asylwerbern in Österreich einzig und alleine auf der Angabe des Asylwerbers beruhen und in so gut wie keinem Fall durch ein offizielles Dokument gedeckt wird. Es ist ein reines Goodwill-Verfahren – und dieser gute Wille der österreichischen Erstaufnahmebehörden ist unendlich. Er dürfte selbstverständlich auf einer entsprechenden Weisung beruhen.

Was ich bereits an dieser Stelle bestätigen kann ist der Umstand, dass die meisten Asylwerber mit einem Smartphone ausgestattet sind. Mit ihrer Heimat kommunizieren sie hauptsächlich mit dem verschlüsselten Nachrichtendienst Telegram. Dass man behördlich entweder durch Sicherstellung der Geräte oder Überwachung der Kommunikation problemlos die tatsächliche Herkunft und wahrscheinlich auch das Alter feststellen könnte, hat in Österreich bis zum heutigen Tag niemanden interessiert.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*